Mittwoch, 11. März 2026, 19:00 Uhr
Mit dem aufkommenden Nationalismus im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Kriegsdienst als obligatorische "Pflicht" für die Staatsangehörigen. Cantzen zeichnet eindrucksvoll nach, wie sich die Behandlung von Deserteuren je nach den ideologischen Grundlagen der politischen Systeme über die Zeiten auswirkte. Besonders nach dem ersten Weltkrieg, als die Dolchstoßlegende in der politischen Rechten als Entlastungsstrategie für den verlorenen Krieg diente, wurde "der Deserteur" zum Feindbild, das es blutig auszumerzen galt, wie es dann im 2. Weltkrieg geschah.
In der aktuellen Aufrüstungsspirale mit der Vorbereitung eines verpflichtenden Kriegsdienstes zeigt gerade die Geschichte der Desertation, dass es sich nun aufzulehnen gilt, gegen die wieder propagierten Leitbilder einer falschen "Kameradschaft", "Manneszucht" und "toxischen Männlichkeit", die sich in Armeen mit schöner Regelmäßigkeit herausbilden, denn bis heute ist die Rehabilitierung derjenigen schwierig, die sich an den Verbrechen im 2. Weltkrieg nicht beteiligten wollten.
Eine Veranstaltung der IDK im Antikriegsmuseum.
